Wir leben in einem Kunststoff-Zeitalter. So richtig bewusst geworden ist mir das erst durch das diesjährige „Plastikfasten“. Der BUND ruft seit mehreren Jahren während der Fastenzeit dazu auf, den Plastikkonsum einzuschränken und sich mit Abfallvermeidung und Zero Waste bewusst auseinander zu setzen[1]. Ich habe dieses Jahr das erste Mal versucht meinen Plastikkonsum zu verringern und meinen Alltag plastikärmer zu gestalten. Obwohl ich mich schon länger mit den Themen Abfall, Recycling, Müllvermeidung und Zero Waste beschäftige, ist der Verzicht auf Plastik für mich besonders schwer. Die Daten und Fakten zu synthetischen Kunststoffen zeigen: Sie belasten durch ihre aufwendige Herstellung aus Erdöl, Kohle oder Erdgas nicht nur das Klima – sie sind vor allem auch für die Umwelt und unsere eigene Gesundheit bedenklich[2].

Wie ist mein erstes „Plastikfasten“ gelaufen?

Gemischt. Einige Bereiche sind bei mir schon seit längerer Zeit plastikfrei und verpackungsarm. Im Bad, besonders in der Dusche bin ich bereits auf festes Shampoo und feste Körperdusche umgestiegen. Meine Haut pflege ich entweder mit fester Körperbutter oder Mandelöl aus der Glasflasche. Für größere Einkäufe habe ich immer eine Stofftasche in meinem Rucksack mit dabei, um die Einkäufe ohne zusätzliche Plastiktüten transportieren zu können. Außerdem habe ich auch oft einen Thermobecher für einen Kaffee unterwegs dabei.

Ein größeres Projekt während des Plastikfastens war für mich, meine Reinigungsmittel selber herzustellen und damit die Plastikverpackungen einzusparen. Ich wollte auch möglichst ökologische Mittel verwenden und ich war wirklich erstaunt, dass es so einfach ist. Das Internet bietet bereits sehr viele Ideen und Rezepte. Im Grunde braucht man für den Haushalt nicht mehr als Natron, Essig(-essenz), Zitronensäure und Soda, um die meisten Bereiche zu säubern. Abflussreiniger, Flüssigwaschmittel und Spülmaschinentabs habe ich zum Beispiel mit diesen Mitteln hergestellt und bin damit sehr zufrieden.

Etwas schwieriger war für mich der wöchentliche Einkauf. Plastikfrei einkaufen ist möglich, vor allem in Berlin gibt es viele Angebote. Ich musste aber sehr gut voraus planen und entweder in viele verschiedene Läden gehen oder auch mal umdisponieren und die Fusilli statt der Vollkornpenne mitnehmen.

Ich habe viele Einmachgläser, die ich in einen Unverpackladen mitnehme und in die ich dort meine Nudeln, Reis oder Linsen einfüllen kann. Da der Laden aber nicht gerade um die Ecke ist, gehe ich dort lieber hin um eine ganze Reihe an Produkten zu kaufen und dann wird es ganz schön schwer zu Schleppen. Wenn ich mir endlich ein Lastenrad anschaffe, geht das einfacher. Bis dahin ist es immer ein kleiner Akt alles nach Hause zu transportieren. Außerdem war ich etwas enttäuscht, dass die Läden nicht immer die Produkte da hatten, die ich gerne gekauft hätte. Meine Lebensmittel hätte ich nicht nur gerne plastikfrei, sondern auch noch mit Bio-Siegel, meist vegan und Vollkorn. Eines dieser Kriterien musste meist zurückstecken.

Bei Obst und Gemüse fällt es mir sehr leicht, auf die Verpackungen zu verzichten. Andere Produkte sind wesentlich schwieriger. Bisher ist es mir noch nicht gelungen Tofu oder Seitan ohne Plastikverpackung zu kaufen. Da haben Wurst – und Käsetheken einen klaren Vorteil, wenn man sich seine Bestellung in die mitgebrachte Dose ausgeben lassen kann.

Wenn ich bestelltes Essen bei Restaurants abgeholt habe, konnte ich die eigene Dose befüllen lassen. Es gibt erfreulicherweise in meiner Wohngegend auch ein Restaurant, das mit einem Pfandsystem arbeitet. So erspare ich mir ab und zu das Kochen, vermeide Verpackungsmüll und kann meine Lieblingsrestaurants auch während der Corona-Pandemie unterstützen.

Plastikfasten in anderen Lebensbereichen – eine Herausforderung

Das Thema Kunststoffe und deren negativen Auswirkungen auf die Umwelt sowie ihre energieintensive Herstellung sind mit fast allen alltäglichen Lebensbereichen verbunden. Und hier habe ich bei mir noch einige „Plastikfasten“-Baustellenentdeckt:

Thema Kleidung: Viele Kleidungsstücke sind aus Polyester hergestellt und geben beim Waschen Mikroplastik ins Wasser ab. Als Mikroplastik werden sehr kleine synthetische Kunststoffe unter 5 mm Größe bezeichnet[3]. Ich achte beim Konsum von neuen oder Second-Hand Kleidungstücken darauf, möglichst Baumwolle zu kaufen. Das gilt auch für alle anderen Textilien wie Bettwäsche, Vorhänge, Kissen und Co. Erst kürzlich habe ich auch Leinenstoff für mich entdeckt, der ebenfalls ein Naturstoff ist und in unseren Regionen angebaut werden kann.

Plastikfrei mit Baby: Eine zusätzliche Herausforderung beim „Plastikfasten“ bringt der Alltag mit meiner 7 Monate alten Tochter mit sich. Wir benutzen Stoffwindeln und Waschlappen, sodass wir da schon einiges an (Plastik-)Müll sparen. Dennoch werden gerade oft bei Kindersachen wie Spielzeug, Schnullern oder Kinderbesteck Kunststoffe verwendet, denn sie sind leicht und “unkaputtbar”. Da manche Polymere nicht nur für die Umwelt sondern auch für die menschliche Gesundheit schädlich sind, ist es mir hier besonders wichtig Plastik zu reduzieren und auf andere Produktmaterialien umzusteigen!

Ein Nischenthema: Plastik im Garten und bei Pflanzen. Das „Plastikfasten“ fällt mit dem Beginn des Frühlings auch mit der Anzuchtzeit der Pflanzen zusammen. Da ich einen kleinen Garten habe, ziehe ich Tomaten, Erbsen, Gurken und einiges mehr selbst heran. Aber auch meine Zimmerpflanzen topfe ich im Frühling öfter mal um. Hierbei sind synthetische Kunststoffe allgegenwärtig. In den Gartencentern sind die Regale mit Primeln, Veilchen, Ranunkeln und vieles Mehr gefüllt. Alle Pflanzen stecken in Plastiktöpfen, die dann nach dem Einpflanzen im Beet schnell auf dem Müll landen. Ebenso wird die Kunststoffverpackung der. Gartenerde schnell zu Abfall. Für mein Hochbeet und zum Schutz des Holzes vor der nassen Erde, habe ich nur Noppenfolie aus Kunststoff gefunden.

Fazit: Mein Plastikfasten endet nicht an Ostern!

Der Verzicht auf Plastik während der Fastenzeit endet für mich nicht an Ostern. Ich werde auch weiterhin meinen Konsum reduzieren und nach Alternativen suchen. Für mich als Verbraucherin ist das mühselig, zeitintensiv und durchaus auch mit höheren Kosten verbunden. Aber: “Eine Welt ohne Plastikverschmutzung ist eine Vision, für die es sich lohnt zu streiten.” (Plastikatlas 2019).

Ich wünsche mir Produkte, die ich mit gutem Gewissen kaufen kann ohne ein Chemiestudium abgeschlossen zu haben!. Ich will nicht in 5 verschiedene Läden gehen müssen, weil ich ein umweltbewusster Mensch bin. Hier müssen vor allem politische und wirtschaftliche Entscheidungsträger*innen aktiv werden. Erste Impulse und Regulierungen wurden bereits getroffen, diese müssen jedoch noch viel weiter gedacht werden, damit Zero Waste als Vision Wirklichkeit werden kann.

Magdalena Gutnik, Beraterin „Tschüss Plastik“

[1] BUND 2021: https://www.bund.net/themen/chemie/achtung-plastik/plastikfasten/?wc=24074

[2] Heinrich-Böll-Stiftung, BUND 2020: Plastikatlas 2019. https://www.boell.de/de/2019/05/14/plastikatlas?dimension1=ds_plastikatlas

[3] BUND https://www.bund.net/fileadmin/user_upload_bund/publikationen/meere/meere_mikroplastik_aus_textilien_faltblatt.pdf