Yippie, der Sommer steht in den Startlöchern! Die Temperaturen steigen, die Sonne strahlt. Oh, auf dem Balkon/der Terrasse sieht es noch trist aus. Schnell ins Gartencenter, noch ein paar schöne Blumen holen. Geht das auch plastikfrei?

Wir wollen es zu Hause schön und gemütlich haben – “hygge”, wie das dänische Trendwort es am treffendsten beschreibt. Dafür renovieren wir die Wohnung, suchen schöne Balkonmöbel und testen unsere grünen Daumen. Gerade in Pandemie-Zeiten steigt das Interesse am werkeln und gärtnern. Die Zahlen zeigen: Die deutschen Gartenmärkte haben 2020 ein Umsatzplus von über 9 Prozent erreicht[1].

Der Haken? Du ahnst es – der Pflanzenhandel verursacht sehr viel Plastikmüll. Etwa 150 Millionen Stück der Plastikpflanzschalen, sog. “Trays” allein fallen jährlich in Deutschland an. Diese haben meist eine kurze Nutzdauer und werden schnell wieder weggeworfen[2].

Aber dabei bleibt es natürlich nicht. Die Pflanzen sind in Plastiktöpfen zu kaufen. Auch Gartenerde ist in einem großen Plastiksack verpackt. Und dann gibt es da noch Anzuchttöpfe, kleine Gewächshäuser, Gießkannen und Kübel, die alle aus Kunststoff hergestellt werden. Und schon entsteht neben einem schönen Balkon auch gleich wieder ein großer Plastikmüllberg.

Welche plastikfreien Alternativen gibt es?

Um Garten oder Balkon plastikfrei zu machen, hier einige Ideen, die du gut umsetzen kannst:

  • Pflanzanzucht: Statt kleine Plastiktöpfe zu kaufen, die Samen in klein geschnittene Klopapierrollen mit Erde pflanzen. Praktisch ist hierbei, dass die kleinen Pflanzen mit der Papierrollen direkt in die Erde eingepflanzt werden können.

Die (nicht plastikfreie) Recyclingmethode: Auf Friedhöfen z.B. werden viele von den kleinen Pflanztöpfen weggeworfen. Schaut dort einfach mal nach und gebt ein paar Plastik-Pflanztöpfen etwas mehr Lebenszeit!

  • Pflanzenkauf: Im Gartencenter gibt es die verschiedensten Pflanzen in Pflanztöpfen aus Plastik zu kaufen. Aber auch viele Privatpersonen verkaufen oder verschenken selbst herangezogene Pflänzchen, oft schon in einem Topf oder auch wurzelnackt. Hast du dich schon mal in deiner Nachbarschaft umgehört? Das ist nicht nur verpackungsarm, sondern stärkt auch noch das Nachbarschaftsgefühl.
  • Blumentöpfe: Es gibt viele Materialien, aus denen Blumentöpfe bestehen. Sie müssen nicht aus Plastik sein: Terrakotta, Ton, teilweise auch Holz oder Seegras. Oder du lässt dich von vielen verfügbaren upcycling Ideen inspirieren.
  • Erde: Komposterde kann man oft direkt von einigen Anbietern in Berlin kaufen, z.B. hier. Dann aber eher in größeren Mengen. Oder gibt es vielleicht Nachbar*innen, die einen Kompost haben und selbst Erde erzeugen? Abgesehen von der Verpackung ist bei Erde wichtig für den Klimaschutz, dass sie keinen Torf enthält. Torf ist zwar sehr nährstoffreich, wird aber aus Mooren abgebaut, die eigentlich sehr viel CO2 speichern[3].
  • Pflanzschilder, Befestigungen und Werkzeuge: Beschriftungen für die kleinen Pflanzen sind sehr sinnvoll, können aber auch aus Holz sein, z.B. mit kleinen Holzstäbchen oder Wäscheklammern. Weniger ist mehr! Braucht es eine extra Gießkanne? Oder kann ich meine Pflanzen nicht auch mit der Teekanne gut gießen? Gibt es die Pflanzschaufel auch aus Metall statt aus Plastik? Oder vielleicht gebraucht?
  • Dünger: Selber machen. Statt Fertigdünger in einer Plastikverpackung, einfach nehmen, was sowieso im Haushalt anfällt an Dünger: Kaffeesatz, Eierschalen, Tee. Für selbstgemachten Dünger gibt es z.B. hier viele Möglichkeiten zum austesten.

 

Mit diesen ersten Schritten kannst du schon einiges an Plastikmüll auf Balkon und Terrasse vermeiden. Aber auch hier gilt: Nicht nur einzelne Haushalte, sondern die großen Gartencenter, die Baumärkte und Discounter müssen mit in die Pflicht genommen werden Sie sollten Konsument*innen ein nachhaltiges und zukunftsfähiges Angebot bieten. Vielfach bestehen auch im Pflanzenhandel bereits gute Mehrwegsysteme!

Beitrag von Magdalena Gutnik

 

[1] Industrieverband Garten 2021: Jahresbericht https://www.ivg.org/der-gartenmarkt/aktuelle-marktzahlen

[2] Deutsche Umwelthilfe 2021: https://www.duh.de/projekte/pflanzenhandel/?&wc=NL

[3] BUND Brandenburg: https://www.bund-brandenburg.de/moore/